Archiv für Dezember, 2008

„Sprechen wir offen über Ihre Blase“ (Die AOK bezahlt das aber nicht)

Es ist Weihnachten, Heiliger Tag, und ich bin bei meinen Eltern auf Langeoog. Sie sind beide seit Jahr und Tag bei der AOK Niedersachsen versichert und haben schon so manches mit ihrer Krankenkasse erlebt – im Guten wie im weniger Guten. Heute kam die Mitgliederzeitschrift und bestürzte mich: Selten habe ich so eine Ansammlung von Geriatrie- und Abzock-Produkten in einer einzelnen Zeitschrift gefunden. Das setzt sogleich eine endlose Kette negativer Assoziationen in Gang: Sind meine Eltern in dieser Kasse überhaupt gut aufgehoben? Werden sie gut versorgt sein – auch mit zunehmenden Alter? Bekanntlich ist ja auch Gesundheitsministerin UllaSchmidt (SPD) wie die meisten Minister privat krankenversichert – was kann also ich für meine Eltern tun? Kann ich sie nicht zu einem Wechsel in eine Kasse bewegen, die einen weniger kränklichen, leichtgläubigen und betreuungsbedürftigen Mitgliederpool hat wie ihn die AOK-Mitgliederzeitschrift nahelegt?

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So würde Bahnfahren besser

Nachdem ich kürzlich wieder mit der Bahn gefahren bin, möchte ich hier 10 Vorschläge machen, wie die Bahn ihre Attraktivität steigern könnte. Einige davon wären ohne viel Geld umzusetzen und würden nur etwas Godwill, Vernunft oder Engagement bei den Verantwortlichen erfordern. Aber gerade das sind offfenbar die kostbarsten respektive seltensten Güter bei Bahnvorständen…

  1. Espresso anbieten statt Filterkaffee – am besten in Kooperation mit einer Kette wie Caras oder Einstein
  2. Bei der Sitzplatzreservierung die Fahrtrichtung berücksichtigen, so dass der Fahrgast (wenigstens bis zu einem Fahrtrichtungswechsel) einen Platz asuwählen kann, der seinem Fahrtrichtungswunsch entspricht. Dadurch würden auch die reserrvierten Plätze besser auf den gesamten Zug verteilt – im Moment ballen sich alle Reservierungen in einem Teil des Zuges.
  3. Durchsagen beschränken auf die Ansage des nächsten Bahnhofs in Deutsch und Englisch, am besten vom Band oder durch prominente Vertreter des nächsten Halts, zum Beispiel des Bürgermeisters oder des Landesherren. Delmenhorst sollte von Sarah Connor angekündigt werden usw.. Weitergehende Infos werden im Einzelfall mündlich vom Schaffner gegeben, aber nicht mehr komplett durchgesagt, um die Nerven der Reisenden zu schonen. Den Rest des Beitrags lesen »

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Volksbegehren? Kirchen kämpfen für Mitgliedergewinnung an Schulen

Seit ich in Berlin in der evangelischen Kirche bin, habe ich niemals irgendetwas von ihr gehört und auch nichts von ihr gewollt. Ich weiß nur, dass meine Heiligkreuz-Gemeinde sich um Obdachlose kümmert und das finde ich gut. Heute erhielt ich wegen des grässlichen und falschen Kampfes um die religiöse Beeinflussung von Schulkindern von Bischof Wolfgang „Homestory“ Huber, ein Schreiben, in dem er um Unterstützung für das Volksbegehren „Pro Reli“ bittet. Huber stichelt immer wieder gegen meine Lebensweise als Homosexueller und unterstützt Menschen wie den ultrakonservativen Kirchenmann Ulrich Parzany und missionierende evangelikale Splittergruppen, die Homosexuelle „heilen“ wollen (taz-Artikel dazu). Warum muss der Chef der evangelischen Kirche in Deutschland, in deren Reihen so viele engagierte, kluge Pastorinnen und Pastoren und Mitarbeitende tätig sind, Speerspitze der Reaktion sein? Warum habe ich von „meiner“ Kirche noch nie einen Gemeindebrief oder Post für eine Kampagne gegen Armut oder gegen die Diskriminierung von Minderheiten bekommen, aber für ein derartig prononciertes politisches Anliegen?! Der Staat, das ist meine tiefste Überzeugung, muss säkular sein, egal ob in Berlin, in Istanbul, Washington oder Teheran. Er soll sich gefälligst aus Glaubens- und Weltanschauungsfragen heraus halten oder wenigstens neutral verhalten. Alle Schulkinder sollen am gemeinsamen Ethikunterricht teilnehmen. Darüber hinaus, in der Freizeit, können sie machen, was sie wollen. Mitgliederwerber von Religionsgemeinschaften, Drogendealer und sonstige Geistesvernebler sollten keinen Zutritt zu Schulhöfen haben. Auch wenn sie gerade in Berlin – wo ein Großteil der Bevölkerung konfessionslos lebt – gerne den Zugang zu Schulen nutzen würden, um neue Jünger anzuwerben… Den Rest des Beitrags lesen »

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Bauchtanz: Shimmys für Männer

Der Begriff Shimmys (von englisch „to shimmer“ für schimmern, flimmern) wird  seit dem Bauchtanzboom in den 1970ern für das Schütteln von Schultern oder Hüfte beim Bauchtanz verwendet. Bauchtanz hat einen Scheißruf, weil die meisten Leute an wackelnde Möpse im Klimpergewand denken. Dabei ist der orientalische Tanz das totale Wellnessprogramm für den Körper: Bauchtanz lockert Verspannungen, erhöht das Körpergefühl, stärkt die Wirbelsäule. Das dürfen jetzt auch Männer erfahren: Beckenboden-Trainerin Tara (40) vom lesbisch-schwulen Sportverein Vorspiel lädt jeden Freitag Männer zum Bauchtanzen ein. Mitzubringen sind Experimentierfreude, bequeme Kleidung, Schläppchen oder Bremssocken und – wer hat – ein viereckiges Hüfttuch. Es beginnt mit Aufwärmen, dann kommen Lockerungs- und Isolationsübungen, denen Basisschritte und schließlich das Einstudieren von Choreographien folgt. „Wer jetzt anfängt schafft eine kleine Choreo bis zum Christopher Street Day im Sommer“, verspricht Tara und unterstreicht: „Auch Hetero-Männer dürfen kommen, niemand wird wegen seiner sexuellen Orientierung ausgeschlossen – aber nur nach Absprache.“ Infos unter www.vorspiel-berlin.de

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Allergien: Eine Volkskrankheit in Topform

Warum Allergien mittlerweile zu einer Volkskrankheit geworden sind, weiß man nicht genau. Viele Wissenschaftler ziehen sich auf nahe liegende Befunde zurück: So erhöhe Rauchen während der Schwangerschaft das Risiko, dass das Kind später Allergiker wird (mein Mutter hat nie geraucht). Das Neugeborene bis zum sechsten Monat zu stillen reduziere hingegen die Gefahr einer Allergieausprägung (ich wurde bis zum 18. Lebensjahr gestillt).

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Allergien: Nasen duschen im Sommerregen

Es ist Mitte Dezember, als der Allergologe Professor Torsten Zuberbier die ersten Haselnussblüten in der Pollenfalle auf dem Dach der Charité findet: Viel zu früh! Schuld daran ist der warme Winter, der normalerweise dem Pollenflug ein Ende bereitet und den Menschen mit Heuschnupfen eine Verschnaufpause. Doch dank Erderwärmung geht der Blütenterror diesmal unvermindert weiter, schließt eine Saison an die andere an. Keiner sollte glauben, innerhalb der Betonburg Berlin sei man vor Pollen sicher. „Pollen können bis zu 20 Kilometer am Tag fliegen“, erklärt Professor Zuberbier, während er den Deckel wieder auf die Falle schraubt, „außerdem ist unsere Stadt zum Glück sehr grün.“

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Weihnachtsmärkte mit Pfiff

Weihnachtsgesteck aus Polen

Der Berliner (und die Berlinerin erst recht) verspeisen zu Weihnachten mit großer Freude Teile der Gans mit Klößen und (jetzt halten Sie sich fest) Grünkohl! Ist das nicht schockierend?! Für Typen mit ostfriesischem Migrationshintergrund wie mich wird auch ein Schlag Rotkohl aufgetischt, aber mehr so aus lästiger Gefälligkeit wie man für Vegetarierer ein Sojawürstchen mitbrät. Grünkohl zur Gänsekeule ist in Berlin so etwas wie Normalität; Rotkohl oder Blaukraut (oder Brautkleid) die exotische Randerscheinung. Diese Beobachtung vorweg geschickt möchte ich zum Hauptthema des heutigen Blogs kommen: Dem Weihnachtsmarkt. Allerdings nicht, ohne zuvor noch kurz auf Motivationstraining für Jugendliche zu sprechen zu kommen. Diese beiden Stichworte sind es nämlich, die laut kostenloser Blogstatistik von WordPress die meisten Besucher auf meine Seite lockten, also ist es nur sinnvoll, sie auch hier noch einmal zu nennen, um den Surferansturm am oberen Limit zu halten.

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Twenü: Restaurant 44 lädt junge Gourmets zum Kosten ein

„Und wie isst man das jetzt?“ Kay Kutschkau guckt abwechselnd auf das Kunstwerk auf seinem Teller und die vielen Messer, Gabeln und Löffelchen daneben. Chefkellner Ilja Schierz, der jeden Gang ansagt, legt die Hände ineinander und erklärt geduldig, dass jetzt der kleine Gourmet-Löffel zum Einsatz kommen könnte. Die Publizistik-Studenten Kay Kutschkau, 26, und Thanh-Van Tran, 29, sitzen heute Mittag mal nicht in der Mensa, sondern im Restaurant 44 von Haute-Cuisine-Koch Time Raue, um ein außergewöhnliches Angebot zu testen: Das Twenü.

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Japanisch für Anfänger: Im Oki probieren Kinder Anders-schmecken

„Igitt, eine Waffel mit Ziegenkäse!“, zischt die Fotografin, als Otto Pfeiffer, der Inhaber und Chefkoch des OKI, seine neuste Kreation vorstellt. Zum Glück haben unsere Testesser Lea, Florentina, Tony  und Palm das nicht gehört. Sie sind unvoreingenommen und neugierig auf die hübschen Herzchenwaffeln mit den vielen bunten Belägen. Und siehe da: Es schmeckt! Ob das nur daran liegt, dass sie so lange auf das versprochene Essen warten mussten, weil zuvor in einer langwierigen Prozedur Fotos vor einem weißen Hintergrund gemacht werden mussten? Oder schmeckt es einfach gut und nur wir Erwachsenen, mit unseren vielen Ängsten und schlechten Erfahrungen haben etwas anders erwartet?

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Sexueller Missbrauch in der Jugendgruppe: Interview mit Expertin Gisela Braun

Gisela Braun, 48, ist Diplompädagogin und Fachreferentin für die Prävention von sexuellem Missbrauch der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie hat mehrere Bücher zu dem Thema veröffentlicht, u. a. Elternratgeber und Kinderbücher wie „Das große und das kleine Nein“ oder „Ich sag’ nein“.

Oliver Numrich: Sexueller Missbrauch ist ein heißes Eisen. Fällt nicht vielen der Zugang zu dem Thema schwer?
Mittlerweile nicht mehr so sehr, denn es hat sich herumgesprochen, dass es verantwortlichen Kinderschutz bedeutet, wenn man sexuellen Missbrauch thematisiert. Es ist einfach so: Überall wo Kinder leben gibt es auch sexuellen Missbrauch. Jedes dritte bis vierte Mädchen ist davon betroffen und jeder neunte bis zwölfte Junge. Rein statistisch sind also in allen Kindergruppen Betroffene zu finden, egal ob in Kindergarten, Grundschule oder Verein. untitled-tutenkopfe-001_kleinuntitled-tutenkopfe-003_kleinuntitled-tutenkopfe-006_klein
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