Archiv für Januar, 2009

Berühmte Nachbarn: In der Zossener Straße war Christopher Isherwood zu Gast

Unweit meiner Wohnung, in der Zossener Straße 7, steht ein graues, verfallenes Gebäude, in dem Christopher Isherwood – der Autor von „Good-bye, Berlin“ (das später unter dem Titel „Cabaret“ mit Liza Minelli in der Hauptrolle verfilmt wurde) – einige Male Gast war. Hier befand sich in den 1920er Jahren eine schwule Absteige mit dem Namen „Cosy Corner“. Der Journalist Axel Schock schreibt am 10. Februar 2005 in der Berliner Zeitung: „Seine Stammkneipe wird das „Cosy Corner“ in der Zossener Straße 7. Ein kleiner Laden, Hochparterre, alles andere als elegant. Hier braucht man keinen Smoking und auch keine gut gefüllte Geldbörse, um Einlass zu bekommen und Spaß zu haben. Und zudem trifft sich hier, was Isherwood wesentlich erotischer fand: bodenständige Arbeiterjungs. Wo man sich seinerzeit klassenübergreifend beim Bier näher kam, ist heute eine Zahnarztpraxis untergebracht.“ Der ganze Artikel findet sich hier. Isherwood selbst beschreibt den Laden in seiner Autobiografie „Christopher und die Seinen“ so:  „Der einzige Wandschmuck bestand aus ein paar Boxer- und Radrennfahrerfotos über der Bar, und geheizt wurde mit einem altmodischen alten Ofen. Teils wegen der Hitze, teils weil sie wussten, dass es ihre Kundschaft erregte, zogen die Jungs ihre Pullover oder Lederjacken aus und saßen aufgeknöpft bis zum Bauchnabel und mit bis zu den Schultern hochgekrempelten Ärmeln herum. (…) Ihre Grundhaltung bestand in einem fast gleichgültigen ‚Nimm mich oder verschwinde‘, und obwohl sie hauptsächlich wegen des Geldes in die Bar kamen, konnten sie in diesem Lokal doch auch andere Jungen treffen, plaudern und Karten spielen.“

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Was zusammen gehört, obwohl es eigentlich nichts miteinander zu tun hat

Es gibt so Tage, da werden einem schon beim Duschen die großen Zusammenhänge der Weltgeschichte klar. Zum Beispiel heute, als ich auf dem Axe-Duschgel las, dass es von Unilever hergestellt wird. Dann habe ich mich mit einer Dove-Hautcreme eingecremt und darauf stand ebenfalls ganz unschuldig und klein auf der Rückseite: Unilever. Gestern abend hatte ich noch die Werbung für Bertolli-Brotaufstrich gesehen und anschließend Spaghetti mit der Bertolli-Nudelsoße verputzt – auch Unilever. Insgesamt gehören folgende Marken zu dem holländisch-englischen Konzern:

Lebensmittel: Rama, Flora-Sft, Lätte, Du Darfst, Becel, Sanella, Livio, Norda, Biskin, Palmin, Milkana, Bresso, Unox, Lipton, Bi-Fi, Botteram, Langnese-Iglo, Mondamin, Knorr.

Reiniger & Körperpflege: Omo, Sunil, Skip, Coral, Kuschelweich, Viss, Domestos, Vim, Lux, Sunlicht, Dove, Signal, Axe, Timotei, Brisk, Rexona, Impulse, CD, Mentadent, Elisabeth Arden, Chicogo.

Düfte: Arden, Lagerfeld, Chloé, Photo, Kenzo, Fendi, Cerruti, Valentino, Calvin Klein, Obsession, Eternity.

Ist das nun schlimm? Nein, ich will gar keinen Skandal beschreien. Es ist nur interessant, wie stark mein Leben mit diesem Großkonzern vernetzt ist, ohne dass mir das klar ist. Dasselbe trifft sicherlich auch auf ähnliche Monsterunternehmen zu wie Nestle (Nescafé, Vittel, Perrier, Mövenpick, Schöller, Alete, Buitoni, Thomy, Maggi, Powerbar, Herta, KitKat, Lion, Nuts, Smarties, After Eight, Choco Crossies) oder Kraft (Jacobs Krönung, Suchard, Milka, Onko, Tassimo, Kaba, Côte d’Or, Toblerone, Mozartkugeln, Daim, Danone, Lu,  Mirácoli, Philadelphia, Miracel Whip), die ebenfalls in keinster Weise demokratisch kontrolliert werden und mein Leben direkt über ihre Produkte und die Art ihrer Herstellung sowie indirekt über die Werbung und den damit verbundenen starken Einfluss auf die Medien bedingen.

Meine Erkenntnis vom heutigen Tage: Kaufe mehr lokale Produkte, die nicht industriell gefertigt sind, sondern vor Ort entstehen, dadurch kontrollierbarer sind, weniger Macht in einer Hand vereinigen, deren Steuerlöse meiner Gemeinde zugute kommen und die hier vernünftige Arbeitsplätze sichern!

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Das Musical gegen Proposition 8 (Volksbegehren zur Abschaffung der Homo-Ehe in Kalifornien)

Der Hollywood-Schauspieler Jack Black hat ein großartiges Musical inszeniert, das zeigt, wie willkürlich die  Bibel von  Konservativen ausgelegt wird und dass die Homo-Ehe die Weltwirtschaft retten kann.

Jack Black as Jesus

Jack Black as Jesus

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Kann man sich bequem engagieren?

Ein Hauptwiderspruch zwischen „Das Richtige wollen“ und „Das Richtige tun“ ist hiermit gelöst: Engagieren Sie sich einfach per Klick! Das kostet nichts, geht von zuhause aus und zu jeder Tages- und Nachtzeit.  Noch viel besser: Es ist anonym. Das heißt, trotz Angst vor Jobverlust oder der Rache des politischen Gegners können Sie sich im Privaten eine eigene, imperfekte Meinung erlauben. Ich bin ganz begeistert und empfehle Ihnen, so schnell wie möglich auf die Seite von Campact zu wechseln, der Initiative für Kampagne und Aktion (sie selbst nennen es natürlich Campaign und Action). Die Inhalte sind allesamt unterstützenswert, von Atomkraft, über Genfraß bis zur Bahn reicht das Themenspektrum. Noch dazu kommt alles in einem frischen Gewand ohne ideologischen Ballast daher. Wer sich jetzt nicht mehr engagiert, dem fehlt eine vernünftige Ausrede.

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Berater mit Engelsgeduld: Business Angels helfen Gründern

In New York hat Wigbert Böll zwölf Jahre lang Unternehmen aus der Technologie- und Konsumgüterindustrie beraten, heute sitzt auf der anderen Seite des Schreibtischs und hört sich an, was Bernd Monitor von seiner Geschäftsidee hält. Denn Bernd Monitor ist Business Angel und Vorstandsmitglied im gleichnamigen Club von Berlin und Brandenburg. Business Angels sind Manager und Kaufleute, die anderen ehrenamtlich bei der Umsetzung von Geschäftsideen helfen, mit Erfahrung, mit Kontakten und manchmal auch mit Kapital. „Herr Monitor bringt den ungetrübten Blick von Außen mit“, sagt Böll, „weil ich diesmal selbst der Gründer bin, habe ich meine Beraterqualitäten eingebüßt.“

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