Artikel verschlagwortet mit Johanniter-Jugend

Sexueller Missbrauch in der Jugendgruppe: Interview mit Expertin Gisela Braun

Gisela Braun, 48, ist Diplompädagogin und Fachreferentin für die Prävention von sexuellem Missbrauch der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie hat mehrere Bücher zu dem Thema veröffentlicht, u. a. Elternratgeber und Kinderbücher wie „Das große und das kleine Nein“ oder „Ich sag’ nein“.

Oliver Numrich: Sexueller Missbrauch ist ein heißes Eisen. Fällt nicht vielen der Zugang zu dem Thema schwer?
Mittlerweile nicht mehr so sehr, denn es hat sich herumgesprochen, dass es verantwortlichen Kinderschutz bedeutet, wenn man sexuellen Missbrauch thematisiert. Es ist einfach so: Überall wo Kinder leben gibt es auch sexuellen Missbrauch. Jedes dritte bis vierte Mädchen ist davon betroffen und jeder neunte bis zwölfte Junge. Rein statistisch sind also in allen Kindergruppen Betroffene zu finden, egal ob in Kindergarten, Grundschule oder Verein. untitled-tutenkopfe-001_kleinuntitled-tutenkopfe-003_kleinuntitled-tutenkopfe-006_klein
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Kochseminar für Jugendliche: Lieber Obst-Snacks als Milchschnitte

„So wertvoll wie ein kleines Steak…“ lange wurden Fruchtzwerge mit diesem Slogan beworben, der nichts anderes bedeutet als: das teure Quark-Joghurt-Zeug hat so viele Kalorien wie ein Mittagessen. In der aktuellen Fernsehwerbung für Fruchtzwerge rufen Kinder ihren Eltern zu: „Kauft uns Fruchtzwerge, die mögen wir und die sind gesund.“ Doch gesunde Ernährung hat nichts mit Kalorienbomben zu tun, meint Jörg Beumelburg-Nordbrock. Sie fange im Gegenteil damit an, die Werbestrategien der Lebensmittelindustrie zu durchschauen. Der Johanniter aus Alhorn in Niedersachsen hat den Kurs „ Kochen auf Freizeiten und Anderswo“ organisiert, an dem vom 24. bis 26. Februar 14 Mitglieder der Johanniter-Jugend teilnahmen.

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Rechtsextremismus: Alternativen zur Gewalt anbieten

Görlitz ist nicht Wurzen. Die pittoreske Grenzstadt an der Neiße will 2010 Europas Kulturhauptstadt werden, da stören Skinheads im touristischen Stadtzentrum. Doch dass die Rechten oft den Ton angeben, hat auch Phillip Triemer schon am eigenen Leib erfahren. Der neunzehnjährige Johanniter war als Sanitäter bei einem Fußballspiel eingesetzt, als er bemerkte, dass jemand CDs mit rechtsradikaler Musik anbot. Er wollte den Verkäufer zur Rede stellen, doch der machte ein paar Anrufe per Handy und binnen weniger Minuten stand ein Dutzend rechter Schläger vor den Sanitätern. „Wir konnten schnell noch unser Material in den Rettungswagen werfen flüchten“, erzählt Phillip. Seine Anzeige bei der Polizei wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt. Um der Gewalt vor allem unter Jugendlichen etwas entgegen zu setzten, hat die örtliche Johanniter-Jugend um Phillip im Sommer 2004 ein Projekt ins Leben gerufen: „Wut im Bauch“. Die Schülerinnen und Schüler haben alles selbst gemanagt: Veranstaltungen geplant, Sponsoren aufgetan, Anträge gestellt. Gisela Mahner, 45, die bei den Johannitern für Ausbildung und Jugend zuständig ist, hat die Jugendlichen dabei von Anfang an unterstützt. Denn auch sie musste Erfahrungen mit rechter Gewalt machen: Ihr Zeltlager wurde mitten in der Nacht von rechten Schlägern überfallen. Mahner konnte gerade noch mit den Kindern und Jugendlichen auf die Toiletten flüchten, als draußen der rechte Mob tobte. Die Rechtsextremen wollen nicht, dass es Alternativen zu ihren „Freizeitangeboten“ gibt. Doch genau das wollten die Jugendlichen mit ihrem Programm anbieten. Dafür erhielten sie nach und nach immer mehr Unterstützung: Es gab Fördermittel vom Bun­desjugendring, Görlitzer Händler spendeten Lebensmittel und Material, stellten Autos zur Verfügung und das Jugendamt gab 1.500 Euro dazu. „Wut im Bauch“, das waren über 25 Aktionen: Schwimmwettkämpfe, Meditationskurse und Freiluftkino, aber auch Veranstaltungen, in denen die Polizei über Drogen informierte oder Justizbeamte Deeskalationstraining anboten. Das Programm war so erfolgreich, dass Phillip Trie­mer und Gisela Mahner den Förderpreis „Jugendpolitik und politische Teilhabe“ von Johanniterpräsident Hans-Peter von Kirchbach entgegen nehmen konnten. Es wird jetzt auf Schulen in anderen sächsischen Städten ausgedehnt. Darüber hinaus haben Johanniter-Unfall-Hilfe und Johanniter-Jugend ein bundesweites Aktionsprogramm gegen Extremismus aufgelegt, das u. a. Zivilcourage bei Kindern und Jugendlichen fördern und Gewalt verhindern soll. Die Angebote reichen von speziellen Fortbildungen für Jugendgruppenleiter, über Besuche von Gedenkstätten bis hin zu Foto-Workshops. Oliver Numrich

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Portrait: Wir sind alle ein bisschen verrückt

Frankfurt am Main – Es gibt Sportarten, da fragt man sich: Wie sind die denn da drauf gekommen!? Einrad-Hockey ist so eine. Und natürlich gibt es – wie immer – auch jemanden von den Johannitern, der genau dieser exotischen Sportart mit großem Eifer nachgeht: Julia Ungerer, Jugendgruppenleiterin in Frankfurt am Main und Mitglied der Landesjugendleitung in Hessen. Seit ihrem neunten Lebensjahr geht Julia Ungerer einmal die Woche zur Johanniter-Jugend in Frankfurt-Eckenheim. Ihre Schulfreundin Carola hatte sie beim ersten Mal mitgenommen und Julia „angefixt“. Das Spielen und Basteln hat ihr gefallen, das  Erste-Hilfe-Lernen und an Pfingsten zum Zelten Fahren ganz ohne Eltern. „Uns ist nie langweilig geworden“, sagt Julia, „als wir 16 wurden war gleich klar, dass wir zum BuAla fahren. Da hatten wir auch das erste Mal Kontakt zur Bundesebene.“ Heute ist Julia 20 und leitet gemeinsam mit Carola selbst eine Jugendgruppe. Auch in dieser Gruppe wird viel gespielt, meistens draußen. Dann Toben sie herum oder machen eine Schnitzeljagd durch Eckenheim. Dieses Jahr nahm die Gruppe das erste Mal am Landeswettkampf teil und erreichte gleich den dritten Platz von fünf 5 C-Mannschaften. Und das, obwohl sich einer der Teilnehmer in der ersten Pause beim Spielen den Arm brach. „Wir waren dann den Rest des Tages in der Uniklinik“, stöhnt Julia. Aber so ist das eben, wenn man Verantwortung für einen Haufen wilder Flöhe hat. Mit dem Einrad-Hockey hat sie vor ein paar Jahren angefangen, als irgendwie alle Einrad gefahren sind. „Man lernt das mit Abstützen am Gartenzaun und sehr oft Hinfallen“, sagt sie gequält. Dann hat sie an von der Gruppe „Radlos“ an der Uni gehört und ist einfach mal gucken gegangen. 20 bis 25 Leute kommen da jede Woche zum Radeln und dabei Hockeyspielen zusammen. Nach speziellen Spielregeln wird mit abgesägten Eishockey-Schlägern auf den Ball eingedroschen. Das klingt brutal, aber ernsthaft wehgetan hat sich Julia noch nicht, sagt sie zumindest. „Natürlich gibt es mal einen Bänderriss und einen eingequetschten Daumen, aber nicht mehr als bei jedem anderen Sport.“ Mit ihrer Freundin Andrea hat Julia sogar eine eigene Einrad-Hockey-Mannschaft, die  „Rollenden Rosinen“ aufgestellt, die sie auch trainiert. Wenn alle kommen, sind sie 15 Mann, oder besser 15 Frau, denn es machen fast nur Mädchen mit. Es gibt sogar Europa- und Weltmeisterschaften für Einrad-Hockey. „Alle, die diesen Sport betreiben sind ein bisschen verrückt“, gibt Julia zu. Das Schöne daran sei, dass es keine Feindschaften zwischen den Mannschaften gebe, wie bei Fußball oder anderen Sportarten. Julia hat schon zweimal an Europameisterschaften teilgenommen, für die man sich nicht extra qualifizieren muss – jeder der kommt kann sofort teilnehmen, sofern er vier Mitspieler mitbringt. Dass man in der Zeitung so wenig davon liest, wundert sie nicht: „Einradhockeyleute wollen keine Publicity, sondern Spaß haben, das ist für uns die Hauptsache.“ Im Moment trainiert sie allerdings fast gar nicht mehr, spielt nur noch hin und wieder bei Turnieren mit, weil sie das Freiwillige Soziale Jahr absolviert, ihre Jugendgruppe managt und wegen der Landesjugendleitung genug andere Termine an der Backe hat. „Manchmal fehlt mir dann auch der Antrieb“, gibt sie zu, „aber immer phasenweise werde ich wieder sportlich aktiv.“ Oliver Numrich

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