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Ausgestorbene Retro-Snacks: Baff, Lila Pause und Co

Freiheit des Konsums

Freiheit des Konsums: Mitbringsel von der vorletzten USA-Reise

Ich besitze eine erstaunlich gute Geruchs- und Geschmackserinnerung. Den Duft der Waldhimbeeren, die ich als kleines Kind im Garten eines Onkels (der als deutscher Nazi nach dem Krieg im österreichischen Exil lebte) gesammelt habe, kann ich genau erinnern und bis heute mit dem Geruch zeitgenössischer Himbeeren vergleichen. Ähnlich geht es mir mit vielen Süßigkeiten, die es heute nicht mehr gibt oder deren Zutatenmischung nachhaltig verändert wurde. Ich bin mir sicher: Weder Milky Way, noch Caramac oder die Quality Street-Toffees von Rowentry Macintosh (inzwischen zu Nestle) schmecken heute noch so wie zu der Zeit als ich Kind war. Wahrscheinlich werden heute billigere (Ersatz-)Zutaten verwendet oder die Rezepte „optimiert“. Andere Lebensmittel hat gar das Zeitliche gesegnet. Wer kennt noch die folgenden und kann mir bei der Geschmacksbeschreibung helfen?

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Was zusammen gehört, obwohl es eigentlich nichts miteinander zu tun hat

Es gibt so Tage, da werden einem schon beim Duschen die großen Zusammenhänge der Weltgeschichte klar. Zum Beispiel heute, als ich auf dem Axe-Duschgel las, dass es von Unilever hergestellt wird. Dann habe ich mich mit einer Dove-Hautcreme eingecremt und darauf stand ebenfalls ganz unschuldig und klein auf der Rückseite: Unilever. Gestern abend hatte ich noch die Werbung für Bertolli-Brotaufstrich gesehen und anschließend Spaghetti mit der Bertolli-Nudelsoße verputzt – auch Unilever. Insgesamt gehören folgende Marken zu dem holländisch-englischen Konzern:

Lebensmittel: Rama, Flora-Sft, Lätte, Du Darfst, Becel, Sanella, Livio, Norda, Biskin, Palmin, Milkana, Bresso, Unox, Lipton, Bi-Fi, Botteram, Langnese-Iglo, Mondamin, Knorr.

Reiniger & Körperpflege: Omo, Sunil, Skip, Coral, Kuschelweich, Viss, Domestos, Vim, Lux, Sunlicht, Dove, Signal, Axe, Timotei, Brisk, Rexona, Impulse, CD, Mentadent, Elisabeth Arden, Chicogo.

Düfte: Arden, Lagerfeld, Chloé, Photo, Kenzo, Fendi, Cerruti, Valentino, Calvin Klein, Obsession, Eternity.

Ist das nun schlimm? Nein, ich will gar keinen Skandal beschreien. Es ist nur interessant, wie stark mein Leben mit diesem Großkonzern vernetzt ist, ohne dass mir das klar ist. Dasselbe trifft sicherlich auch auf ähnliche Monsterunternehmen zu wie Nestle (Nescafé, Vittel, Perrier, Mövenpick, Schöller, Alete, Buitoni, Thomy, Maggi, Powerbar, Herta, KitKat, Lion, Nuts, Smarties, After Eight, Choco Crossies) oder Kraft (Jacobs Krönung, Suchard, Milka, Onko, Tassimo, Kaba, Côte d’Or, Toblerone, Mozartkugeln, Daim, Danone, Lu,  Mirácoli, Philadelphia, Miracel Whip), die ebenfalls in keinster Weise demokratisch kontrolliert werden und mein Leben direkt über ihre Produkte und die Art ihrer Herstellung sowie indirekt über die Werbung und den damit verbundenen starken Einfluss auf die Medien bedingen.

Meine Erkenntnis vom heutigen Tage: Kaufe mehr lokale Produkte, die nicht industriell gefertigt sind, sondern vor Ort entstehen, dadurch kontrollierbarer sind, weniger Macht in einer Hand vereinigen, deren Steuerlöse meiner Gemeinde zugute kommen und die hier vernünftige Arbeitsplätze sichern!

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Berliner Mythen: Die Heimat des Yes-Torty

Ansichtsexemplar

Ansichtsexemplar

„Kleine Torte statt vieler Worte“ – dieser Werbespruch machte das Yes-Torty, einen Kuchenriegel in den Geschmacksrichtungen Caramel, Kakao und Zitrone, deutschlandweit berühmt. Im dazugehörigen TV-Spot wurde einer erschöpften Eisläuferin oder einer durchnässten Zelterin das Torty mit einer Kerze darauf feierlich überreicht. Doch die industriell gefertigte Süßspeise sprach immer weniger Käufer an, ALDI warf sie 1999 aus dem Sortiment und der WDR deckte auf, dass sie geringe Mengen Alkohol enthielt. 2003 stellte Nestlé die Produktion ein und schloss sein Werk in Tempelhof, in dem bis dato 470 Berliner jährlich 13.000 Tonnen Yes-Tortys buken. In der einst weltgrößten Schokoladen-Fabrik produzierten zeitweise über 2.000 Mitarbeiter „Sarotti“-Schokoladen. Die Berliner „Confiseur-Waaren-Handlung Felix & Sarotti“ gibt es bereits seit 1852. Damals stellte sie ihre Pralinen und Fondants allerdings noch in der Mohrenstraße her – deshalb prangt ein solcher auf den Verpackungen. 1929 übernahm Nestlé Sarotti mitsamt des Tempelhofer Werks. Von 1981 bis 2003 wurden hier ca. 4,5 Milliarden Yes-Tortys hergestellt und in aller Welt verkaut. Alternativen zur ausgestorbenen Süßigkeit sind „Relax” von „KuchenMeister“, „Tender“ von Milka oder der “Feine Kuchenriegel” der Edeka-Eigenmarke “Backstube”.

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