Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für eine Non-Profit-Organisation ist doppelt anspruchsvoll: Sie soll nicht nur Bekanntheit und Glaubwürdigkeit der Organisation nachhaltig stärken, sondern zugleich wie ein Vertriebsinstrument wirken und unmittelbar Spendeneinnahmen generieren. Doch nicht jedes Medium erreicht die lukrativste Spendergruppe und nicht jede Veröffentlichung ist dazu geeignet, die Spendenbereitschaft von Lesern, Zuschauern und Nutzern zu aktivieren. Blätterwald, das Büro für Medienresonanzanalyse, hilft mit einer speziellen Analyse bei der Optimierung der Ergebnisse.
Artikel verschlagwortet mit Oliver Numrich
Allergien: Nasen duschen im Sommerregen
Es ist Mitte Dezember, als der Allergologe Professor Torsten Zuberbier die ersten Haselnussblüten in der Pollenfalle auf dem Dach der Charité findet: Viel zu früh! Schuld daran ist der warme Winter, der normalerweise dem Pollenflug ein Ende bereitet und den Menschen mit Heuschnupfen eine Verschnaufpause. Doch dank Erderwärmung geht der Blütenterror diesmal unvermindert weiter, schließt eine Saison an die andere an. Keiner sollte glauben, innerhalb der Betonburg Berlin sei man vor Pollen sicher. „Pollen können bis zu 20 Kilometer am Tag fliegen“, erklärt Professor Zuberbier, während er den Deckel wieder auf die Falle schraubt, „außerdem ist unsere Stadt zum Glück sehr grün.“
Amazon: Handys für Soldaten
Als ich bei meinem letzten Besuch in den USA im Oktober diesen Jahres bei Amazon.com die erste Staffel meiner Lieblingskrimi-Serie (Achtung corny!) „Columbo“ bestellte, wurde mir unaufgefordert mit dem DVD-Schuber eine Plastikhülle geliefert, die mich schockierte: Ich sollte mein altes Mobiltelefon in die Tüte stecken und mit oder ohne Akku an das Pentagon schicken, damit es notleidenden Soldaten übereignet werden könne. Häh? Damit sie aus dem Irak in ihrer Heimat anrufen können? Mit meinem Uralt-Handy? Eine der seltsamsten Sponsoring-Aktionen, die ich bisher miterlebt habe. Dass ausgerechnet Amazon das Militär unterstützt, hätte ich irgendwie nicht gedacht…
Buswerbung: Erotikclubs versperren Sicht nach draußen
Ich erinnere mich noch gut daran, dass die Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) vor einigen Jahren Werbung ablehnte, in der Zeichnungen des offen schwulen Künstlers Keith Haring verwendet werden sollten. Die BVG begründete ihre Entscheidung damals damit, dass die Werke teilweis obszön seien und Fahrgäste provozieren könnten. Inzwischen stehen riesge Nachbilderungen seiner Bilder überall in der Stadt herum, etwa am Potsdamer Platz. Die BVG indess wirbt auf ihren gelben Doppeldeckerbussen lieber für „erotische Nachtetablissements“ wie das Artemis-Großbordell in Halensee. „Unsere Mädchen sprechen mindestens zwei Sprachen“, hieß es in der Radiowerbung, die bis vor kurzem die wenigen verbliebenen Hörer des privaten Jazz Radios nervte. Ob mit der Bilingualität Russisch und Polnisch oder doch eher Tschechisch und „französisch“ gemeint war, wurde leider nicht deutlich. Doch seit das christlich-orientierte Radio Paradiso den Sendebetrieb des Jazzsenders abwickelt (von dem es heißt, er beziehe seine Musik ausschließlich in Form fertig gemixter Tapes direkt vom englischen Mutterhaus und bei dem die Praktikantinnen – die allzu oft mutterseelenallein den Sendebetrieb fahren – gerne mal vergessen, die Regler zu bedienen) ist die Erotikwerbung verklungen. Umso mehr Geld haben die Edelbordelle jetzt für die blickdichte Beklebung von Nahverkehrsbussen und kleistern damit gerne mal sämtliche Scheiben zu. Welcher Fahrgast will schon das Elend auf den Straßen der Haptstadt sehen?! Kein Wunder, wenn den leidgeprüften BVG-Fahrgästen irgendwann speiübel wird vom häufgen Stop und seltenen Go im Berusverkehr und dem ständigen Blick auf mannshohe Selikonbrüste.
Unvollendete Gedanken zum perfekten Leben
Man will alles perfekt machen, das lernt man von Anfang an: Gute Noten nach Hause bringen, artig und höflich sein zu den Eltern und überhaupt gegen jedermann, gesund ernähren, die Ausbildung abschließen, langfristige Beziehungen, am besten mit Trauschein, aber vorher austoben, vorbildliche Partner, mit denen man Konflikte auslebt, statt sie zu zu kleistern, dabei an sich arbeiten, aus Krisen lernen, besserer Mensch werden. Man will jede Sekunde des Lebens optimal erleben, flexibel sein und doch beständig, Klavier üben, zum Sport gehen, mit Freunden Kochen und Rotwein trinken, alle wichtigen Zeitungen und die richtigen Bücher gelesen haben, weiterhin zu jedermann höflich sein und den Partner nicht einengen, wach und offen für Neues bleiben, jede Schwingung, jede Gefühlsregung zulassen, nicht in Trott geraten, ein bisschen Geld fürs Alter beiseite legen, aus allen Fehlern lernen, seine Rechnungen und die Steuer immer pünktlich bezahlen, sparen für die Not, aber sich auch mal was gönnen, seine Arbeit gut machen, aber auch mal feiern. Sich nicht hetzen, nicht stressen, nicht ärgern und über die kleinen Missgeschicke des Lebens großzügig hinweg sehen. Die großen Momente im Leben tief aufnehmen, auf Lunge einatmen, drin behalten und genießen. Was schlecht war milde vergessen, wenn die Zeit gekommen ist, möglichst brav ohne Murren abtreten und dankbar in den Sarg kriechen. Deckel drauf. Tschüß, war nett. Keine Probleme gemacht, nicht mir, nicht den anderen. Leben wie Sterben mit Zwei plus gemeistert.
Haargedicht: Haare hat man oder nicht
„Hallo Haar“ oder „Harrharr“
Wie sonderbar,
das mit dem Haar.
Sitzt es fest am hellen Kopf,
bildet es den schönsten Schopf.
Doch fällt es ab, oh weh, oh graus,
löst schnell es Unbehagen aus.
Ein Einzelhaar, und klebt es noch so friedlich
am Tellerrand ist niemals niedlich.
Auf Herrenrücken darf’s nicht rasten,
nicht schlankes Damenbein belasten.
Nicht in Nase, noch in Ohr
ruft es Begeisterung hervor.
Überall wird epiliert,
gezupft, gewachst und wegrasiert.
Nicht geschont wird selbst das Genital!
Ja, ist denn sowas noch normal?
Wo soll es hin, das arme Haar,
nicht nach hier und nicht nach da.
Es gibt nur einen Ort, an dem es bleiben kann für immer:
das ist das Abflussrohr im Badezimmer.
Hier sammelt sich in vielen Jahren
ein Potpourri aus Tausend Haaren.
Braune, schwarze, helle, matte,
kurze, lange, krause, glatte,
eng vernetzt in Harmonie
in schönster Haarkakophonie.
10 Gründe warum Bahnfahren so gräßlich ist
Bahnfahren ist gräßlich wegen…
1. unendlich langer Durchsagen mit Tausend Anschlüssen über viel zu laut eingestellte, knisternde Lautsprecher, zunächst auf Deutsch dann in Englisch und mit langen Pausen zwischen jedem Wort. Nicht zu vergessen die bei jeder Station vorgebrachten Hinweise auf noch Stunden entfernte Ereignisse wie „Zugteilung in Hamm/Westfalen…“
2. lauten Zeitungsumschlagens und dank hunderter Laptops und nervösem Getippe einer Atmosphäre wie in einem Großraumbüro.
3. Lichtschranken gesteuerten Türen, die ständig aufgehen, wenn sich ein Fahrgast bewegt, der das Unglück hat, davor zu sitzen.
4. des Kampfes um knappe Steckdosen und Tische für optimalen Laptopeinsatz.
5. der Gangplätze, an denen sich vorbei wankende Passagiere festhalten, die randvolle Tassen mit heißem Kaffee balancieren.
6. der Kinder, die von ihren Eltern dazu angehalten werden, immerzu schreiend vor und zurück durch den Gang zu rennen.
7. der zu knapp bemessen Sitzabstände in Abteilwagen, in denen man leicht mal das Knie des Gegenübers im eigenen Schoss spürt. Aber auch wegen der schlechten Luft, schlechten Stimmung und dem Fehlen der Möglichkeit, den Blick schweifen zu lassen, ohne jemanden anzuglotzen oder angeglotzt zu werden.
8. des Wochenendes: Zweite Klasse voll mit feixenden, Bier trinkender Soldaten in Kampfmontur, erste Klasse voll mit laut und energisch sich über die deutsche Politik beklagender Geschäftsleute.
9. des teuren, schlechten Löskaffees und dem schlechten, halbkalten Essen aus der Mikrowelle. Selbstverständlich ist nie eines der eben erst per Durchsage beworbenen Sonderangebote verfügbar.
10. des langen Wartens im Stehen auf zugigen Bahnhöfen, bei dem man sich im Winter schnell erkältet, weil es keine Wartehallen mehr gibt.
Buchtipp zum Thema: „Senk ju vor träweling – Wie Sie mit der Bahn fahren und trotzdem ankommen“ von
Schlechte Werbung
Es gibt drei Werbekampagnen, die zurzeit meine persönliche Hitliste der schlechtesten Kampagnen aller Zeiten anführen.
1. Die Kaisers-Radiospots: Da will eine Verkäuferin mir die unterdurchschnittlichen Produkte von Kaisers schmackhaft machen, indem sie auf das Heftigste berlinert und zum Schluss auch noch dümmlich glucksend „Hier schlägt das Herz“ kichert. „Hi-hi-hier schlägt das He-He-Herz.“ Dagegen ist die Kaisers-Werbung auf dem Knallchargen-Sender FAB geradezu intellektuell: Die blonde Trixi preist hier zusammen mit einem schnauzbärtiger Verkäufer vom Typ gemütlicher Onkel die einzelnen Abteilungen an. Für wie unterbelichtet hält Kaisers seine Kunden eigentlich?
2. Dialekt-Supergau Nummer zwei: Seitenbacher-Müsli. Auch diese Audiowerbung ist im Radio zu erleben, leider auch auf Radio Eins. Eine Art Schwabe schwallt ohne Unterlass alle Möglichen Sorten der teuren Luxusflocken herunter und zwar in einer Mundart, bei der jede einzelne auf den Magen des Zuhörers durchschlägt. Ich dachte immer, Sächsisch wäre intensives Gift für die Nerven… Leute, bitte kauft kein Saitenbacher, sonst müssen wir noch länger diese Werbung ertragen!
3. Meine Sparkasse haut voll daneben mit ihre Zombi-Kampagne zu Halloween 2008. Echte Sparkassen-Mitarbeiter (grusel) werden zur Strafe auf vergrößerte Schwarz-Weiß-Fotos gezogen (ächz), auf denen einzelne Körperregionen (ekel) hervor gehoben werden: Augen, Nasen, Ohren, Hände, Münder und das ganze soll bedeuten: Beraten mit allen Sinnen. Die Plakate verdunkeln jede Filiale und sind einfach nur grausam anzusehen. Die Mitarbeiter, die sich dafür hergaben sind wirklich zu bedauern. Welcher Art Director kann denn so was verantworten?










