Artikel verschlagwortet mit Prenzlauer Berg

Japanisch für Anfänger: Im Oki probieren Kinder Anders-schmecken

„Igitt, eine Waffel mit Ziegenkäse!“, zischt die Fotografin, als Otto Pfeiffer, der Inhaber und Chefkoch des OKI, seine neuste Kreation vorstellt. Zum Glück haben unsere Testesser Lea, Florentina, Tony  und Palm das nicht gehört. Sie sind unvoreingenommen und neugierig auf die hübschen Herzchenwaffeln mit den vielen bunten Belägen. Und siehe da: Es schmeckt! Ob das nur daran liegt, dass sie so lange auf das versprochene Essen warten mussten, weil zuvor in einer langwierigen Prozedur Fotos vor einem weißen Hintergrund gemacht werden mussten? Oder schmeckt es einfach gut und nur wir Erwachsenen, mit unseren vielen Ängsten und schlechten Erfahrungen haben etwas anders erwartet?

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Albanische Spätzle und Couscous Hawai: Clash of Cultures in der Küche

Experimentierfreudige Köche sind eine wichtige Voraussetzung dafür, dass es immer mehr Restaurants gibt, die auf unkonventionelle Art Kochstile und Küchenrichtungen kombinieren. Die andere Voraussetzung sind Gäste, die auch bereit sind, etwas Neues auszuprobieren. Zum Glück hält die Berliner Gastronomie viele waghalsige Überraschungen für Geschmacks-Abenteurer bereit. So bereichert seit neustem ein Trend zum Vermischen von deutscher Regionalküche mit ausländischen Kochrichtungen die Berliner Teller – von virtuos bis wirr ist alles dabei.

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Berliner Mythen: Die Heimat der Kreiskultur

Andreas Speichert verdankt dem Prater sein Leben. Das war im Sommer 1954, im Biergarten: Der Ausschank ist wie immer dicht umlagert. Hier gibt es das Pils in großen Gläsern, Bockwurst und Buletten, Kuchen und gekochten Kaffee. Beim Schwofen lernen sich Harry und Gitta kennen. Es wird mehr draus, sie heiraten und zehn Jahre später kommt Sohn Andreas zur Welt – in der Oderberger Straße 41, das ist gleich nebenan. Das Amüsier- und Ausflugslokal „Berliner Prater“ ist legendärer Treffpunkt – nicht nur für einsame Herzen. 1837 eröffnet es vor den Toren Berlins. „Hier können Familien Kaffee kochen“ hieß es damals, denn die Gäste bringen die Kaffeebohnen selbst mit und bestellen heißes Wasser dazu. Das Hauptgebäude mit Festsaal und Bühne ist das erste Haus in der Kastanieallee, wo ansonsten nur Felder, Wiesen und Windmühlen sind. Zu DDR-Zeiten wird es Kreiskulturhaus und zum Zentrum des kulturellen Lebens in Prenzlauer Berg. Von hier aus werden sämtliche Jugendclubs, Bühnen und Galerien im Bezirk organisiert. 1987 kehrt Andreas Speichert zurück. Im Erich-Franz-Club fragt ihn jemand, ob er im Prater als Techniker arbeiten will. Beim Einstellungsgespräch stellt man ihm zwei Fragen: „Sind sie Alkoholiker?“ und „Haben sie einen Ausreiseantrag gestellt?“ Speichert kann beides verneinen, ist außerdem Mitglied der SED und bekommt den Job. Im Saal gibt es jeden Tag eine andere Veranstaltung: Von der Kombinatsfeier, über Ausstellungen der Eisenbahn- oder Aquarienfreunde und Tanztee bis zum Rockkonzert. „Der Prater war nicht der Ort, wo die Revolution geplant wurde“, sagt Speichert, „aber die Bands hatten mehr Freiheiten.“ Wenn es mal ein Auftrittsverbot gibt, meldet sich die Gruppe unter neuem Namen wieder an. Nebenbei wird „gemuckt“, in Bands gespielt oder Musik aufgelegt. Sie kommen alle gut miteinander aus: die Punker, die Langhaarigen mit den Lewis-Jeans, die Blues’er. „Wir sind von Konzert zu Konzert gezogen“, sagt Speichert, „es gab Mädchen, nicht zu viel Stress mit der Arbeit, das war meine schönste Zeit.“ Nach der Wende wird das Kulturhaus für 3,2 Mio. Westmark in eine Investruine verwandelt: Der Haupteingang zur Kastanienallee wird zugemauert, Elektroleitungen und Heizungsrohre kreuz und quer verlegt. Am Ende hängt ein Heizkörper außen an der Fassade. Als die Volksbühne 1994 den Prater zur Spielstätte macht, gibt es keinen Brandschutz, keine Türen, keine Toiletten. Während Castorfs ersten Proben kurven Maurer mit der Schubkarre durch den Saal. Die Bühne ist gesperrt, weil der „Eiserne Vorhang“ – der Feuerschutz – wie eine Guillotine herabsausen könnte. „Es ist gut, dass es den Prater noch gibt“, sagt Speichert. Denn während rund herum saniert ist und schwäbische Studenten einziehen, bleibt der Prater mit seinem maroden Charme für ihn ein Stück Kiez. Und im Biergarten, da trifft sich noch immer alles, vom Urberliner bis zum Touristen. Wie vor 170 Jahren… Oliver Numrich

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Berliner Mythen: Die Heimat der DDR-Oppositionellen

„Gor-bi, Gor-bi!“ und „Kei-ne Gewalt!“ skandieren nervöse Teilnehmer der Spontan-Demo an der Weltzeituhr. Vereinzelt dringend die Rufe bis zur Karl-Marx-Allee, wo sich zur selben Zeit die Chefetage der SED an einer Militärparade zum 40-jährigen Bestehen der Republik erfreut. Doch die Zahl der Demonstranten an diesem 7. Oktober 1989 steigt unaufhörlich: Tausende treten aus ihren geheimen Zirkeln und subversiven Winkeln heraus und zeigen öffentlich, dass sie unzufrieden sind mit ihrer DDR. Am Nachmittag schlägt das Imperium zurück: Die Protestierer werden aus dem Stadtzentrum gedrängt, flüchten die Schönhauser Allee hinauf, Richtung Gethsemanekirche. Seit den 80er Jahren sind die Kirchen im Ostteil der Stadt Treffpunkte der Aufsässigen, oft der einzige Ort, an dem sich Friedens- und Umweltaktivisten überhaupt versammeln können. Allen voran die Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg, die Kaiser Wilhelm II 1893 noch zum Bollwerk gegen aufkommende atheistische und sozialistische Bewegungen geweiht hatte. In diesen unruhigen Oktobertagen diskutieren hier bis zu 3.000 Menschen und beten dafür, dass die Mächtigen sich dem Wunsch nach demokratischer Umgestaltung nicht länger verschließen. Bürgerbewegte wie Marianne Birthler koordinieren vom einzigen Telefon der Kirchengemeinde aus den landesweiten Widerstand und nehmen Vermisstenmeldungen auf. Höhepunkt des Protests ist eine Mahnwache für inhaftierte Systemkritiker, die der Weißenseer Friedenskreis durchführen will. Er stellt die Kirchenleitung vor die Wahl: Entweder ihr gebt uns die Kirche freiwillig oder wir besetzen. Es ist die Feuertaufe für Dieter Wendland (Foto), frisch gewähltes Mitglied des Gemeindekirchenrats: „Wir mussten als Hausherren überlegen, was das für unsere Sicherheit bedeutet.“ Doch nach kurzer Beratung sind sich alle zwölf Vorstandsmitglieder einig. „Wir haben einstimmig beschlossen, dass wir sie reinlassen“, erinnert sich Wendland und kämpft 17 Jahre danach wieder mit der Fassung: „Es bewegt einen noch immer…“ Über Nacht wird die Gethsemanekirche vollends zu einem rebellischen Gotteshaus: Für kurze Zeit hängt ein Transparent „Mahnwache für die zu unrecht Inhaftierten“ über dem Eingangsportal, bevor es nach Drohungen der Staatsgewalt gegen „Wachet und Betet“ ausgetauscht wird. „Wir hatten kein politisches Programm, wussten nicht wie das weitergehen sollte“, sagt Wendland, „aber diese Politik betraf auch uns und wir waren dagegen, dass Menschen zu Unrecht interniert werden.“ Die Volkspolizei riegelt die Kirche ab, lässt keinen mehr rein oder raus. „Wir haben das natürlich als Belagerungszustand empfunden“, erinnert sich Wendland. Die Verhandlungen mit der Abteilung Inneres führen zu keinem Ergebnis, so dass bereits Dutzende Menschen in der Kirche campieren, als der Protestzug vom Alexanderplatz dazuströmt. Die Leute wollen aber nicht in die Kirche, sondern auf der Straße bleiben und dort protestieren, woraufhin es vor der Kirche und im ganzen Bezirk zu Tumulten kommt. „Wir waren keine Helden“, wiegelt Wendland ab, „so sehen wir uns nicht. Wir haben einfach gemacht, was unser Gewissen uns gesagt hat.“ Binnen Monatsfrist gelingt es den friedlichen Revolutionären, die greisen Diktatoren aus ihren Ämtern zu jagen. Oliver Numrich

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Berliner Mythen: Die Heimat der Kreiskultur in Prenzlauer Berg

Andreas Speichert verdankt dem Prater sein Leben. Das war im Sommer 1954, im Biergarten: Der Ausschank ist wie immer dicht umlagert. Hier gibt es das Pils in großen Gläsern, Bockwurst und Buletten, Kuchen und gekochten Kaffee. Beim Schwofen lernen sich Harry und Gitta kennen. Es wird mehr draus, sie heiraten und zehn Jahre später kommt Sohn Andreas zur Welt – in der Oderberger Straße 41, das ist gleich nebenan. Das Amüsier- und Ausflugslokal „Berliner Prater“ ist legendärer Treffpunkt – nicht nur für einsame Herzen. 1837 eröffnet es vor den Toren Berlins. „Hier können Familien Kaffee kochen“ hieß es damals, denn die Gäste bringen die Kaffeebohnen selbst mit und bestellen heißes Wasser dazu. Das Hauptgebäude mit Festsaal und Bühne ist das erste Haus in der Kastanieallee, wo ansonsten nur Felder, Wiesen und Windmühlen sind. Zu DDR-Zeiten wird es Kreiskulturhaus und zum Zentrum des kulturellen Lebens in Prenzlauer Berg. Von hier aus werden sämtliche Jugendclubs, Bühnen und Galerien im Bezirk organisiert. 1987 kehrt Andreas Speichert zurück. Im Erich-Franz-Club fragt ihn jemand, ob er im Prater als Techniker arbeiten will. Beim Einstellungsgespräch stellt man ihm zwei Fragen: „Sind sie Alkoholiker?“ und „Haben sie einen Ausreiseantrag gestellt?“ Speichert kann beides verneinen, ist außerdem Mitglied der SED und bekommt den Job. Im Saal gibt es jeden Tag eine andere Veranstaltung: Von der Kombinatsfeier, über Ausstellungen der Eisenbahn- oder Aquarienfreunde und Tanztee bis zum Rockkonzert. „Der Prater war nicht der Ort, wo die Revolution geplant wurde“, sagt Speichert, „aber die Bands hatten mehr Freiheiten.“ Wenn es mal ein Auftrittsverbot gibt, meldet sich die Gruppe unter neuem Namen wieder an. Nebenbei wird „gemuckt“, in Bands gespielt oder Musik aufgelegt. Sie kommen alle gut miteinander aus: die Punker, die Langhaarigen mit den Lewis-Jeans, die Blues’er. „Wir sind von Konzert zu Konzert gezogen“, sagt Speichert, „es gab Mädchen, nicht zu viel Stress mit der Arbeit, das war meine schönste Zeit.“ Nach der Wende wird das Kulturhaus für 3,2 Mio. Westmark in eine Investruine verwandelt: Der Haupteingang zur Kastanienallee wird zugemauert, Elektroleitungen und Heizungsrohre kreuz und quer verlegt. Am Ende hängt ein Heizkörper außen an der Fassade. Als die Volksbühne 1994 den Prater zur Spielstätte macht, gibt es keinen Brandschutz, keine Türen, keine Toiletten. Während Castorfs ersten Proben kurven Maurer mit der Schubkarre durch den Saal. Die Bühne ist gesperrt, weil der „Eiserne Vorhang“ – der Feuerschutz – wie eine Guillotine herabsausen könnte. „Es ist gut, dass es den Prater noch gibt“, sagt Speichert. Denn während rund herum saniert ist und schwäbische Studenten einziehen, bleibt der Prater mit seinem maroden Charme für ihn ein Stück Kiez. Und im Biergarten, da trifft sich noch immer alles, vom Urberliner bis zum Touristen. Wie vor 170 Jahren… Oliver Numrich

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