Artikel verschlagwortet mit Sanitätsdienst

Sechs Sachsen auf einen Streich: Gemeinsam vom Schul- zum Rettungssanitäter

In der Schule läuft das normalerweise so: Die Lehrer erklären, wie die Welt funktioniert, und die Schüler lernen das – oder auch nicht. Im Gymnasium von Marienberg im Erzgebirge war es kürzlich genau umgekehrt: Die Schüler zeigten dem Kollegium, wie Erste Hilfe geht. Seit drei Jahren wird der Sanitätsdienst am Marienberger Gymnasium von den Schülern sichergestellt und die haben kürzlich ihren ersten Ferientag geopfert, um die jährliche Pflichtfortbildung des Lehrkörpers in Erster Hilfe höchstpersönlich zu übernehmen.

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Portrait: Vom Sanhelfer zum jüngsten Kreisgeschäftsführer

Der Mann, der heute JUH-Vorstand in Ravensburg ist, wurde mit einem Trick zu den Johannitern gelockt. Es geschah im Konfirmandenunterricht: „Uns wurde gesagt, dass alle Konfirmanden bei den Johannitern kostenlos einen Erste Hilfe-Kurs machen können“, sagt Stefan Dittrich heute. Der Kurs begann eine Woche nach der Konfirmation, zur gleichen Uhrzeit, zu der sonst der Pfarrer die christlichen Grundsätze gelehrt hatte. Was keiner von ihnen wusste: Damals wurde Erste Hilfe überall umsonst angeboten! Die Anpreisung war nur ein Lockmittel, um die Konfirmanden nahtlos zur JUH zu überführen. Die Ausbildung zog sich über fast vier Monate hin, anschließend hat der Ausbilder gefragt, wer bei der Jugendgruppe mitmachen will. „Ich hatte Lust“, erinnert sich Stefan, „aber meine Eltern nicht!“ Denn bei der Johanniter-Jugend wurden braune Hemden getragen und das war ihnen suspekt. Stattdessen hat er dann mit 16 einen Sanitätshelferkurs gemacht, bei dem er richtig viel büffeln musste: „Dafür haben wir uns super gefühlt nach der Prüfung, wir waren die, die anpacken und helfen konnten“, erinnert er sich. Das Zusammengehörigkeitsgefühl bei den Johannitern hat ihn schon damals begeistert. Eines Abends – die Eltern sind im Urlaub – knattert er mit seinem Mofa durch Ravensburg und sieht, dass bei den Johannitern noch Licht brennt: Kollegen packen für die Interschutz in Hannover, die große Rettungsdienstmesse. Noch in der Nacht wollen sie losfahren. Spontan schließt Stefan sein Mofa an und kommt mit: Eine Nacht rauf, einen ganzen Tag vor Ort und die nächste Nacht zurück. „Das war ein spontanes Abenteuer für mich damals“, sagt der heute 36-Jährige. Dass er keinen Pfennig bei sich hatte war kein Problem: die beiden älteren haben alles bezahlt, vom Eintritt bis zum Essen. „So was vergisst man nicht“, sagt Stefan, „diesen Zusammenhalt fand ich toll.“ Auch während seiner Ausbildung zum Steuerfachangestellten schaut er zusätzlich zu den Gruppenabenden jeden Freitagnachmittag in der Dienststelle vorbei. Die etwas trockene Ausbildung hat er auf Drängen der Eltern angefangen. Weil die Arbeit im Steuerbüro jeden Tag bereits um 6:30 Uhr begann, war schon um 15 Uhr Schluss und Stefan konnte bei den Johannitern das Materiallager aufräumen oder irgendetwas aushecken. „Im Nachhinein muss ich meinen Eltern sogar dankbar sein“, sagt Stefan, „denn durch Steuerausbildung hatte ich Verständnis für Zahlen und Betriebsführung entwickelt.“ Doch dann wurde eine Stelle als Sachbearbeiter für Soziale Dienste bei den Johannitern frei und Stefan zögerte keine Sekunde, sich zu bewerben. „Die haben mich gleich eingestellt, weil ich einer der ehrenamtlich ganz Aktiven bei den Johannitern war“, sagt er heute. Auf dem neuen Posten war er vor allem „Zivi-Dompteur“, musste sich um alle Autos kümmern und Auslandstransporte nach Bosnien organisieren. Als kurze Zeit später der Kreisgeschäftsführer die Johanniter verließ, um einen lukrativeren Job in der freien Wirtschaft anzunehmen, liebäugelte Stefan mit dem Chefposten. Im Wesentlichen waren sich alle einig: Mit 21 war er viel zu jung für den Posten und außerdem etwas vorlaut. Aber weil er sich so engagierte und vor Tatendrang strotzte, gab man ihm eine Chance. Und Stefan nutzte sie. Er absolvierte etliche Fortbildung für Führungskräfte und ein mehrjähriges Fernstudium zum Sozialbetriebswirt. Damals arbeiteten nur fünf Hauptamtliche in der Dienststelle in Ravensburg. Doch wenn er denen mal ein ernstes Wort reden musste, konnte er vorher nächtelang nicht schlafen. Heute hat sein Verband 75 hauptamtliche Mitarbeiter und Stefan hat sich an seine Führungsposition gewöhnt. Seit ein paar Jahren ist er Mitglied bei „Round Table“, das ist eine Vereinigung von Männern zwischen 18 und 40 Jahren. Ziel des Clubs ist es, seinen Mitgliedern beruflichen und privaten Erfahrungsaustausch zu ermöglichen. Daneben geht es auch um den „Dienst an der Allgemeinheit“ in Form von Benefizaktionen etwa für die AIDS-Hilfe oder hilfsbedürftige Ravensburger Familien. „Round Table hat meinen Horizont unheimlich erweitert“, sagt Stefan, der über den Club viele neue Kontakte ins In- und Ausland gewonnen hat. Jungen Johannitern, die das Ziel haben, einmal Vorstand bei der JUH zu werden, rät Stefan, die Grundlagen des Wirtschaftens zu erlernen, zum Beispiel mit einer kaufmännischen Ausbildung. Ohne solche Grundlagen komme man heute nicht mehr aus, dafür habe ein Vorstand zu viel Verantwortung für geordnete Finanzen und sichere Arbeitsplätze. Und sonst? Das Rezept des zweifachen Vaters klingt bestechend einfach: „Nicht ducken, einmischen und interessiert durchs Leben gehen.“ Oliver Numrich

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Konkurrenzdenken wird nicht akzeptiert

Dortmund – „Ohne die Jugendlichen wäre die Arbeit im Westfalenstadion nicht mehr zu schaffen“, sagt Werner Schlüter. Der 55-Jährige muss es wissen, denn er koordiniert für die Johanniter die Einsätze in der Borussen-Arena. Das Besondere bei diesem Einsatz ist nicht, dass junge Johanniter zum Team gehören, sondern die eingespielte Kooperation zwischen DRK und JUH. Seit 25 Jahren ist die JUH im dem Stadion tätig, das seit neustem nach dem Hauptsponsor Signal-Iduna-Park heißt. Bei jedem Heimspiel sind sie dabei, eigentlich immer wenn hier gespielt wird, egal ob Uefa-Pokal, Championsleague oder den DFB-Länderspiele. Auch bei allen sechs Spielen zur Fußball-WM waren sie im Einsatz. Schlüter hält sich dann im Sanitätsraum auf, kümmert sich um Funk und Telefone, legt die Dokumentation für die Patienten an, die in den Sanitätsraum Nord gebracht werden. Am Anfang hatten die Johanniter nur vier Helfer auf der Westtribüne, mittlerweile managen sie die ganze Nordtribüne mit 17 Leuten eigenständig, zusätzlich stellen sie einen  Krankentransportwagen, der im ganzen Stadion als Transportmittel für Fahrten ins Krankenhaus eingesetzt wird. Insgesamt gibt es fünf Sanitätsräume für die 80.000 Fußballfans. Davon wird einer von der JUH geleitet, der Rest vom DRK. Die Kreuzroten sind mit bis zu 100 Männern und Frauen im Einsatz, sie kümmern sich um die übrigen drei Tribünen und halten zwei Notfallteams aus Notarzt, Rettungsassistenten und Rettungssanitäter bereit. Außerdem bedienen sie den zentralen für Funk und die Telefone. Damit so eine Kooperation funktioniert, braucht es gegenseitigen Respekt. Und der ist hier absolut gegeben. „Wir wollen ja den Patienten helfen und uns nicht profilieren“, sagt Schlüter, „der Patient steht im bei uns allen Mittelpunkt.“ Die oberste Einsatzleitung obliegt dem DRK, den Abschnitt Nord machen die Johanniter eigenverantwortlich. „Da redet uns auch keiner rein“, erklärt Schlüter, „im  Gegenteil, das DRK ist sehr froh, dass sie uns haben, denn dann müssen sie den Abschnitt nicht selbst besetzen.“ Die Zusammenarbeit funktioniere sehr gut, auch weil man sich schon vielen Jahre kennt. „Die haben doch auch personelle Probleme und müssen Leute aus dem Umland holen“, schiebt Schlüter noch hinterher. Die JUH bezöge schon Helfer aus dem benachbarten Kreisverband Unna und Kreisverband Hagen und sogar vom weiter entfernten Regionalverband Niederrhein. Alle Organisationen hätten im Grunde dieselben Probleme, nämlich ehrenamtliche Helfer für die regelmäßigen Dienste zu finden. Ganz generell könne man sagen, dass die Zusammenarbeit mit allen Hilfsorganisationen vor Ort hervorragend klappe, gerade auf den unteren Ebenen. „Wenn mal Probleme auftauchen, dann doch eher auf der Führungsebenen“; meint Schlüter, „auf den unteren Ebenen klappt es meistens immer, man kennt sich eben schon lange.“ Für ihn ist ganz klar: „Egal woher jemand kommt, zu welcher Organisation er gehört, egal ob alt oder jung, alle machen das Gleiche und werden gleich behandelt!“ Oliver Numrich

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Portrait: Die Glücksritterin

Es heißt, das höchste Glück der Erde, läge auf dem Rücken der Pferde. Das meint auch Birgit zum Felde. Zwar ist die 38-jährige Krankenschwester wegen einer Autoimmunerkrankung seit zwei Jahren auf den Rollstuhl angewiesen. Der hinderte sie allerdings nicht daran, an der Spitze der Sanitätsreiterstaffel der Johanniter in Harburg mitzureiten. Arabella ist vierzehn und hat schon eine Westernausbildung. Die Quaterhorse-Mix-Stute hört auf die fröhliche Stimme von Birgit zum Felde: Bei „Easy“ läuft sie langsam, bei „Ho“ bleibt sie stehen. So cool reiten nur waschechte Cowboys und Cowgirls. Im englischen Stil ausgebildete Pferde dagegen reagieren auf sanften Druck mit den Beinen. Das ist nichts für Birgit zum Felde, denn ihre Beine gehorchen ihr nicht mehr. Die 38-Jährige leidet unter einer seltenen Autoimmunerkrankung, bei der der Körper sich selbst angreift und seine eigenen Nervenzellen zerstört. Vor vier Jahren brach die Krankheit zum ersten Mal voll aus. Zum Felde war von Kopf bis Fuß gelähmt, sie konnte nicht mehr selbst atmen und wurde zehn Tage in ein künstliches Koma versetzt. Danach lernte musste das Laufen, Essen, Trinken, Schreiben über Monat neu lernen. Nach der Rekonvaleszenz arbeitete sie wieder auf der Intensivstation. Doch zwei Jahre später kam ein neuer Schub, seitdem sitzt sie im Rollstuhl. „Es fühlt sich an, als wären meine Beine in Watte eingepackt, ich habe dort praktisch keine Muskelkraft mehr“, beschreibt zum Felde ihre Situation. Nur durch die dauernde Einnahme eines Chemotherapeutikums kann sie ein die Krankheit im Griff behalten. Doch der Rollstuhl hält die dreifache Mutter nicht davon ab, einen neuen Beruf zu erlernen und sich zugleich für die Johanniter zu engagieren. „Ich wollte unbedingt weiter berufstätig sein und arbeiten trotz Behinderung“, sagt zum Felde, „ich bin ein aktiver Mensch und ohne Aufgabe einfach furchtbar unausgeglichen.“ Sie will als Stationsleiterin arbeiten, doch ihr Arbeitgeber, das städtische Krankenhaus, bietet ihr nur einen Job als Pförtnerin an. „Dafür habe ich doch nicht drei Jahre gelernt, dass ich in der Pförtnerloge geistig verhungere“, hält zum Felde dagegen. Statt dessen entscheidet sie sich für eine Weiterbildung zur Lehrerin für Pflegeberufe, um anschließend Krankenpflegekräfte auszubilden. Im März 2001 verknüpft sie ihre beiden Hobbys, Engagement bei den Johannitern und Reiten, zu einem und gründet im Johanniter-Kreisverband Harburg mal eben eine Reiterstaffel. Mittlerweile umfasst die Gruppe stolze 40 reitende Sanitäter und -innen. Auf Fuchs- und Hubertusjagden in ganz Norddeutschland kommen die zum Einsatz, im Durchschnitt einmal pro Monat. Zum Beispiel auf der Amazonenschleppjagd im Trittauer Forst oder auf dem Kutschenturnier in Luhmühlen bei Lüneburg: Über 100 Fuhrwerke liefern sich hier auf einer neun Kilometer lange Geländestrecke durch Wald und Flur Wettrennen. Vorteil der reitenden Retter: Nach der Alarmierung per Handy sind sie auch im tiefsten Dickicht sofort zur Stelle. Ein Team besteht immer – so hat es Birgit zum Felde festgelegt – aus drei Reitern, davon mindestens zwei Sanitäter. Das Gespann Arabella und Birgit ist oft dabei. Für das Aufsitzen hat Birgit zum Felde einen elektrischen Rollstuhl mit einer Hebevorrichtung. Vom 60 cm hohen Tritt aus zieht sie sich am Sattel hoch, ihr Mann hilft durch Schieben und schon thront sie auf dem Rücken des stattlichen Großpferdes. Und von dem Moment an unterscheiden sich Arabella und Birgit zum Felde nicht mehr von anderen Rossen und Reitern. „Ich galoppiere für mein Leben gern“, sagt Birgit zum Felde strahlend, „denn wenn ich an den Menschen vorbei galoppiere sieht mir keiner an, dass ich behindert bin.“ Nein, manchmal, gibt sie zu, sei es doch nicht leicht. Wenn jemand sagt: „Ach, und sie fahren Auto?“ als bedeute körperliche auch immer geistige Behinderung. Oder wenn sie jemand trotz der großen Warnschilder an ihrem Auto zuparkt. Dann muss sie sich wieder von der Polizei „befreien“ lassen und das dauert und kostet Kraft. „Manchmal deprimiert es mich, wenn meine Mitmenschen so wenig Rücksicht nehmen, so wenig mitdenken. Dann komme ich nach Hause und denke: Meine Güte, warum?“ Doch daheim im eigenen Haus mit großem Garten, bei Ehemann VORNAME, den sie vor 14 Jahren bei der Wiederbelebung von Little Anne im Johanniter-Kurs kennenlernte, bei den drei hübschen Töchtern Gesa, Johanna und Mona, zwischen Boxer-Mischling Leonardo und zwei Zwergkaninchen schöpft sie wieder neue Kraft. Die braucht die Trägerin des Ehrenzeichens der Johanniter auch, schließlich will sie als nächstes einen Hospizdienst und ein Kriseninterventionsteam gründen. Oliver Numrich

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