
Das erste Mal sah ich die verzehrfertigen Mini-Mörchen im Superstore in San Francisco. Ganz praktisch zum Futtern vom Fernseher und süß schmecken sie auch. Später gab es dann noch schmale Apfelscheiben, ebenso fertig gewashen und verpackt im Bio-Superstore in Los Angeles. Und das zweite Mal sah ich sie dann in Berlin, Bei Lidl oder war es Kaisers? Jedenfalls war es ziemlich genau dasselbe Tütendesign und tatsächlich, auf der Rückseite stand der Beweis: Made in USA. Haten Sie mich nicht für konservativ, aber müssen Möhrchen aus den USA nach Deutschland gebracht werden? Können deutsche Bauern keine zarten Minimöhrchen ernten, schälen und abpacken? Wie viel vom Ladenpreis um 1,59 Euro geht da wohl für den Transport drauf? Andererseits die Erdbeeren kommen ja im Moment auch noch aus Spanien und werden dann am Beelitzer Spargelhofladen verkauft. Und die Kiwis und all die Exoten werden auch vom anderen Ende der Welt hierher geflogen. Warum nicht auch Möhren…?!
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Erdbeeren aus Spanien okay, aber Karotten aus USA?!
Volksbegehren? Kirchen kämpfen für Mitgliedergewinnung an Schulen
Seit ich in Berlin in der evangelischen Kirche bin, habe ich niemals irgendetwas von ihr gehört und auch nichts von ihr gewollt. Ich weiß nur, dass meine Heiligkreuz-Gemeinde sich um Obdachlose kümmert und das finde ich gut. Heute erhielt ich wegen des grässlichen und falschen Kampfes um die religiöse Beeinflussung von Schulkindern von Bischof Wolfgang „Homestory“ Huber, ein Schreiben, in dem er um Unterstützung für das Volksbegehren „Pro Reli“ bittet. Huber stichelt immer wieder gegen meine Lebensweise als Homosexueller und unterstützt Menschen wie den ultrakonservativen Kirchenmann Ulrich Parzany und missionierende evangelikale Splittergruppen, die Homosexuelle „heilen“ wollen (taz-Artikel dazu). Warum muss der Chef der evangelischen Kirche in Deutschland, in deren Reihen so viele engagierte, kluge Pastorinnen und Pastoren und Mitarbeitende tätig sind, Speerspitze der Reaktion sein? Warum habe ich von „meiner“ Kirche noch nie einen Gemeindebrief oder Post für eine Kampagne gegen Armut oder gegen die Diskriminierung von Minderheiten bekommen, aber für ein derartig prononciertes politisches Anliegen?! Der Staat, das ist meine tiefste Überzeugung, muss säkular sein, egal ob in Berlin, in Istanbul, Washington oder Teheran. Er soll sich gefälligst aus Glaubens- und Weltanschauungsfragen heraus halten oder wenigstens neutral verhalten. Alle Schulkinder sollen am gemeinsamen Ethikunterricht teilnehmen. Darüber hinaus, in der Freizeit, können sie machen, was sie wollen. Mitgliederwerber von Religionsgemeinschaften, Drogendealer und sonstige Geistesvernebler sollten keinen Zutritt zu Schulhöfen haben. Auch wenn sie gerade in Berlin – wo ein Großteil der Bevölkerung konfessionslos lebt – gerne den Zugang zu Schulen nutzen würden, um neue Jünger anzuwerben… Den Rest des Beitrags lesen »
Amazon: Handys für Soldaten
Als ich bei meinem letzten Besuch in den USA im Oktober diesen Jahres bei Amazon.com die erste Staffel meiner Lieblingskrimi-Serie (Achtung corny!) „Columbo“ bestellte, wurde mir unaufgefordert mit dem DVD-Schuber eine Plastikhülle geliefert, die mich schockierte: Ich sollte mein altes Mobiltelefon in die Tüte stecken und mit oder ohne Akku an das Pentagon schicken, damit es notleidenden Soldaten übereignet werden könne. Häh? Damit sie aus dem Irak in ihrer Heimat anrufen können? Mit meinem Uralt-Handy? Eine der seltsamsten Sponsoring-Aktionen, die ich bisher miterlebt habe. Dass ausgerechnet Amazon das Militär unterstützt, hätte ich irgendwie nicht gedacht…
Berliner Mythen: Die Heimat der Spione
Ein Staubsauger der Marke Hoover, eine Klimaanlage und modernste Fernmeldetechnik aus den USA: Bauer Noack staunt nicht schlecht, als er am 22. April 1956 in das Loch am Rande seiner Obstplantage im Ostberliner Bezirk Altglienicke guckt. Ein Freund hatte ihn angerufen: „Sag mal, Paul, lässt du dir den Keller von der Armee ausheben?“ Sicher nicht – Paul Noack wusste bis dahin nicht, dass eine der spektakulärsten Spionage-Aktionen der Geschichte auf seinem Grundstück stattfindet. Der CIA und dessen britisches Pendant SIS haben einen 450 Meter langen Tunnel vom Westberliner Ortteils Rudow unter der Sektorengrenze hindurch nach Altglienicke gegraben. Der Geheimgang führt unter Noacks Bäumen hindurch zur Schönefelder Chaussee, neben der sämtliche Fernsprecher- und Telegraphenleitungen von Berlin-Karlshorst nach Moskau verlaufen. „Stopwatch/Gold“ heißt die Operation, die fast sieben Millionen Dollar verschlingt und weltweit für Schlagzeilen sorgen sollte. Zwei Jahre vor seiner Aufdeckung wird mit dem Bau des geheimen Tunnels gen Osten begonnen. Zur gleichen Zeit pflanzt Paul Noack wenige hundert Meter weiter östlich 1.600 Bäume: Äpfel, Pflaumen, Birnen und Kirschen will er hier mal ernten. „Wir hatten da noch nicht auf der Plantage gewohnt“, erzählt Dagmar Feick, Tochter von Bauer Noack und damals zwölf Jahre alt. Der Tunnel nimmt zwar 1955 seine Arbeit auf, doch bevor Top-Geheimnisse aus der SBZ über die Telefonleitungen ausgetauscht werden, verrät Doppelagent George Blake das Projekt an die Russen. Am Morgen des 22. April 1956 lassen die alles auffliegen. Das Gelände wird militärisches Sperrgebiet, hohe Militärs und DDR-Nomenklatura werden nach Alt-Glienicke chauffiert und in den Tunnel geführt. Später wird eine Treppe angelegt, der Tunnel zur öffentlichen Besichtigung freigegeben. „Die haben eine Propaganda-Aktion daraus gemacht“, sagt Dagmar Feick. Nach den Militärs werden Journalisten durchgeschleust und dann jeder, der will: „Das ging den ganzen Sommer so: komplette Brigaden kamen zum Tunnelgucken auf unsere Plantage.“ Als schließlich der Tunnel entfernt und der Boden dazu großräumig aufgebaggert wird, ist fast die Hälfte der Obstplantage zerstört und eine Entschädigung von keiner Stelle zu bekommen. „Der Tunnel hat unsere Lebensplanung damals vollkommen durcheinander gebracht“, klagt das Spionage-Opfer, der Hausbau verzögerte sich um mehrere Jahre. Als 1961 hier die Mauer gebaut wird, geht wieder Ackerland auf einer Tiefe von 100 Metern verloren. Schließlich gibt die Familie auf, verkauft das Grundstück. Letzten Herbst hat Dagmar Feick nach langer Zeit mal wieder das Grundstück besucht, neben dem jetzt die Autobahn nach Schönefeld gebaut wird. Ein paar der alten Bäume stehen noch immer. Sie hat einige Äpfel gepflückt und einen Kuchen daraus gebacken. „Den gab es zum Familienkaffee“, erzählt sie, „von den Bäumen, die mein Vater vor rund 50 Jahren über dem Spionagetunnel gepflanzt hatte.“ Oliver Numrich











